Restaurants ohne Zutritt für Kinder – Skandal oder Segen?

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Essen gehen mit Kindern kann Eltern – und Tischnachbarn – auf eine harte Geduldsprobe stellen. Als Vater von Zwillingen weiß ich, wovon ich spreche. Doch soll das etwa dazu führen, dass wir unsere Kinder lieber zuhause lassen? Auch meine Kollegin Julia hat so Ihre Erfahrungen gemacht – und eine eindeutige Meinung zu dem Thema…

 

Immer häufiger hört man von Restaurantbesitzern, die ein mehr oder weniger explizites Kinderverbot für ihre Gasträume verhängen. Neulich war zu lesen, dass ein Restaurant an einem beliebten Ausflugsziel in Kalifornien durch das Verbot von Kinderwagen und Hochstühlen versuche, sich Familien mit Kindern regelrecht vom Leib zu halten. Außerdem behalte sich das Restaurant vor , „weinende oder laute Kinder“ aus dem Restaurant zu entfernen. “Unternehmerische Freiheit!” sagen die einen. “Skandal!” empören sich die anderen. Ich gehöre wohl eher zur zweiten Kategorie.

Ein Schnitzel bitte und ganz viel Ruhe

Nicht so meine Freundin Katja. Sie hat im Gegensatz zu mir keine Kinder und geht ausgesprochen gerne und oft essen. Das zumindest haben wir gemeinsam. Als ich ihr von der Geschichte mit dem Kinderverbot erzähle, ist sie auf einmal voll in ihrem Element: „Ich mag Kinder, wirklich! Auf dem Spielplatz oder im Kinderzimmer; auch am großen Familienesstisch bei euch zu Hause. Aber, bitte, liebe Eltern, hört auf, eure Kleinkinder überall mit hin zu schleppen. Natürlich dürft ihr auswärts Essen gehen, so oft ihr wollt. Bloß lasst dann euer Kind zu Hause beim Babysitter oder – wenn das nicht geht – sucht ein ausdrücklich als »kinderfreundlich« ausgewiesenes Lokal aus, wo man mit Spielecke und Malbüchern dem Ruhe suchenden Gast bereits vorher signalisiert, dass er hier statt Ruhe eure Kinder finden wird.“

Bestürzt sehe ich Sie an: „Aber man Kinder doch nicht einafch aus der Gemeinschaft ausschließen, nur auf die Gefahr hin, sie könnten irgendjemand stören?“ Daraufhin sie: „Also dazu kann ich nur sagen: Wieso lernen manche Eltern nicht, dass Rücksicht auf die Gemeinschaft zu nehmen auch bedeutet, Kinder in Restaurants darauf hinzuweisen, dass sie sich benehmen sollen?“ Zwei klare Fronten- zumindest augenscheinlich, denn mir ist natürlich bewusst, dass die Toleranz, die wir Eltern fordern, gleichermaßen auch umgekehrt gelten sollte.

Ganz klar, Essen gehen mit Kleinkindern kann zu einer echten Belastungsprobe für alle Beteiligten werden. Wenn der Nachwuchs partout nicht auf seinem Stuhl zu halten ist, erst das eine, dann wieder das andere Gericht essen möchte, nur um dann laut weinend das Essen der Eltern für sich zu beanspruchen – glauben Sie mir: Spaß geht anders! Und wenn man dann die Tischnachbarin flüstern hört: „Wenn man sein Kinder nicht im Griff hat, sollte man eben zu Hause bleiben.“, gibt dir das garantiert noch den letzten Rest. “In Zukunft gehen wir nur noch ohne Kinder aus”, beschließt man in diesem Moment, und, mal ganz ehrlich, so ein romatischer Abend zu Zweit muss natürlich auch mal sein.

Das Restaurant als Schule des Lebens

Aber, frage ich mich, wie wollen wir Kindern beibringen, sich in einem Restaurant anständig zu verhalten, wenn sie dort gar nicht erst willkommen sind? Zu lernen, wie man sich am besten in verschiedenen sozialen Situationen verhalten sollte, ist immens wichtig für Kinder – sei es in Einkaufszentren, Museen, Flugzeugen, Kinos oder eben in Restaurants. Dieser „Unterricht“ in Anstand und Respekt sollte deswegen auch direkt vor Ort und nicht zu Hause im stillen Kämmerlein stattfinden. Es tut mir wirklich von Herzen leid für diejenigen, die sich durch mein Kind irritiert oder gestört fühlen, aber sie gehören nun mal zu den Übungsobjekten aus der echten Welt! Die, bevor sie böse und abfällig reagieren, verstehen sollten, dass sie gerade nicht Zeuge von schlechter Erziehung werden, sondern Eltern beobachten, die wirklich alles geben, um die Situation zu meistern.

 

Und ganz nebenbei: Auch meine Eltern haben bereits vor dreißig Jahren entschieden, mich trotz meiner kindlichen Launen und temporärer Unzurechenbarkeit der Öffentlichkeit zuzumuten, indem sie mich überall mit hinnahmen. Ich denke, es hat am Ende dann doch ganz gut geklappt!

Was meinen Sie? Nehmen Sie Ihre Kinder mit ins Restaurant? Oder glauben Sie, Eltern sollten Ihre Kinder besser zuhause lassen, wenn sie essen gehen? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!



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